Auditive Wahrnehmungsverarbeitung

Die Begriffe "Hörvermögen" und "auditive Wahrnehmungsleistung" sind inhaltlich deutlich voneinander zu unterscheiden.

So kann trotz sehr gutem Hörvermöge trotzdem eine Störung der auditiven Wahrnehmung vorliegen, wenn z.B. :

  • die auditive Merkfähigkeit eingeschränkt ist und sich das Kind (6 Jahre alt) nicht mehr als 2 Dinge in der richtigen Reihenfolge merken kann
  • Wörter vor Hintergrundgeräuschen nicht wahrgenommen werden können (in der Schule häufig ein großes Problem)
  • die Richtung nicht erkannt wird, aus der jemand spricht
  • ähnlich klingende Wörter nicht unterschieden werden
  • das Kind bei einer Autofahrt nicht zuhören und verstehen kann, wenn es hinten sitzt
  • das Kind nicht in der Lage ist sich eine mündliche Aufforderung zu merken

Das Kind wird mit seinen Fähigkeiten manchmal völlig falsch eingeschätzt. Konzentrationsstörungen, schulischer Leistungsabfall, Verhaltensprobleme oder Lese-Rechtschreibprobleme können die Folge sein.

In meiner Praxis werden folgende Trainingsmöglichkeiten aus dem Warnke-Verfahren nach Fred Warnke eingesetzt:



Automatisierung der Verarbeitung von Sinnesreizen im Hören, Sehen und in der Motorik


„Ist die zeitliche Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn verzögert, hätte es gar keinen Sinn, noch mehr Lesen und Schreiben zu üben. Wesentlich wirksamer ist es, die Geschwindigkeit der Verarbeitung im Gehirn so anzukurbeln, dass sie automatisch und ohne besondere Anstrengung verläuft“ (Medi-TECH).


Das Training der Low-Level-Funktionen erfolgt durch den Einsatz des Brain-Boy-Universal. Als Low-Level-Funktionen werden die sieben Funktionen des zentralen Hörens, des Sehens und der Motorik bezeichnet:

  • Auditive/Visuelle Ordnungsschwelle
  • Richtungshören
  • Tonhöhenunterscheidung
  • Visuell-/auditiv-motorische Koordination
  • Wahl-Reaktionsvermögen
  • Auditive Mustererkennung
  • Auditive Tonfolgeerkennung


Wie sieht das Training aus?


Das Training nach dem Warnke-Verfahren geschieht mit Hilfe des „Brain Boy“ spielerisch und selbstgesteuert, entweder als Bestandteil der Therapieeinheit oder nach einer Einweisung im häuslichen Kontext, ergänzend zur wöchentlichen Ergotherapie.

Was ist eine auditive Wahrnehmungsstörung (AWS)?


Bei der auditiven Wahrnehmung handelt es sich um die Fähigkeit, einen akustischen Reiz (ein Geräusch oder gesprochene Sprache) zu erkennen und im Gehirn angemessen zu verarbeiten.


Eine auditive Wahrnehmungsstörung kann auch vorliegen, obwohl das Kind beim Hörtest sehr gut abschneidet, denn geht nicht nur um das bloße Erkennen eines Reizes, sondern auch um die  adäquate Auswertung und Weiterleitung.



Wie kann man eine auditive Wahrnehmungsstörung erkennen?


Hat Ihr Kind Probleme beim Klettern und Balancieren?

Fehlen ihm immer wieder die Worte, um Ihnen eine spannende Geschichte zu erzählen?

Spricht Ihr Kind undeutlich?

Macht es ungewöhnlich viele Rechtschreibfehler?

Hat es auffallende Leseprobleme, die sich auch auf seine Schulnoten in Mathe und den Fremdsprachen auswirken?


In der Schule zeigen sich auditive Wahrnehmungsstörungen zum Beispiel darin, dass die Kinder Probleme haben sich das zu merken was die Lehrerin sagt, zudem fällt ihnen das Lesenlernen schwer, weil sie die Laute schlecht unterscheiden können. Häufig gibt es bei Kindern mit AWS auch Probleme bei der Konzentration, da die Kinder Störgeräusche schlecht wegfiltern können.


Bei Kindern mit deutlichen Schwächen in der auditiven Wahrnehmung kommt es meist auch zu einer verzögerten Sprachentwicklung, insbesondere zu Defiziten bei der „phonologischen Bewusstheit", die eine Grundvoraussetzung für den Lese- und Schreiberwerb ist. Zudem können aber auch erhebliche motorische Probleme oder unangemessenes Verhalten die Folge sein.


Kinder mit auditiven Defiziten zeigen meist folgenden Auffälligkeiten:

  • häufiges Nachfragen
  • wenig angemessene Reaktion auf verbale Aufforderung
  • übermäßige Empfindlichkeit gegenüber lauten Schallreizen
  • häufige Missverständnisse
  • scheinen in Gedanken, verträumt
  • vermindertes Verstehen bei mehreren Gesprächspartnern
  • verstehen oft schlecht, obwohl der Hörtest "in Ordnung“ ist
  • lernen Lieder oder Gedichte schlecht auswendig



Wann sollten auditive Wahrnehmungsstörungen behandelt werden?


Auditive Wahrnehmungsstörungen sollten schon im Kindergartenalter behandelt werden.Es ist von großer Bedeutung so früh wie möglich eine eventuelle auditive Schwäche festzustellen und die Behandlung zu beginnen, damit keine Entwicklungsverzögerungen oder sekundäre Verhaltensprobleme entstehen. Schwächen in der auditiven Wahrnehmung erschweren zudem den Schriftspracherwerb und sollten daher möglichst vor der Einschulung ausgeglichen werden.


Tipps zum Umgang mit Kindern, die unter einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung leiden:

  • Mit dem Kind Lieder singen
  • Mit dem Kind tanzen
  • Geschichten vorlesen und erzählen
  • Lieder singen und musizieren
  • Viel mit dem Kind sprechen, feste Gesprächsrituale schaffen 
  • Den Tagesablauf klar strukturieren
  • Auf die Einhaltung von Regeln achten
  • Einen ruhigen Ort einrichten, an den sich das Kind zurückziehen kann
  • Das Kind vor Reizüberflutung schützen

 

 

Robin spielt am liebsten mit seinem besten Freund Alex. Den Sport in der Schule liebt er sehr. Doch an den anderen Fächern wie Deutsch und Mathe hat er nicht wirklich Spaß. Er macht häufig Rechtschreibfehler, vertauscht bei Diktaten die Buchstaben oder lässt Wörter aus, weil ihm das Diktieren zu schnell geht. Beim Üben zuhause mit seiner Mutter, da gelingt ihm das alles viel besser. Aber in der Schule ist er manchmal richtig verzweifelt. Morgens, bevor Robin zur Schule geht, hat er oft Kopf- oder Bauchschmerzen, da ihm das zu schaffen macht.

So wie Robin sind ca. 10-15% aller Kinder eines Jahrgangs von einer Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche betroffen und haben aus diesem Grund Schulprobleme. Häufig ist die Ursache dafür Defizite in den Grundbausteinen der Verarbeitung von Informationen. Diese so genannten Low-Level-Funktionen sind eine wesentliche Voraussetzung für das Denken, Sprechen, Schreiben, Lesen und Rechnen.


Wir wissen, dass es bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche wenig sinnvoll ist, zur Übung mehr zu lesen oder zu schreiben; die Probleme liegen tiefer. Der ideale Trainer für die grundlegenden Funktionen der Informationsverarbeitung ist der Brain-Boy ®.


Möchten Sie mehr über das Warnke Verfahren und den Brain-Boy ® erfahren?
Bitte sprechen Sie uns an.