Spezielle Informationen für Ärzte

Viele Erkrankungen und Behinderungen bringen starke oder mittelschwere Einschränkungen in der Handlungsfähigkeit mit sich, so dass dadurch die Indikation für den Einsatz ergotherapeutischer Behandlung gegeben ist.

Als Heilmittel ist die Ergotherapie eine Vertragsleistung der Krankenkassen. Die Kostenübernahmen durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bedürfen einer vorherigen Ärztlichen Verordnung. In der ambulanten Versorgung erhält der Patient von Ihnen ein Rezept für die ergotherapeutische Behandlung, das Verordnungsformular Nr.18.

Diese Verordnung berechtigt Ihren Patienten, eine Institutsambulanz oder eine Praxis für Ergotherapie seiner Wahl aufzusuchen.

Die Verordnung für Ergotherapie läuft außerhalb des Budgets!

 

 

Aktuell

 

Momentan wird ein Kooperations-Konzept für die Beteiligung an Modellen der „Integrierten Versorgung“ von PatientInnen erarbeitet, die durch ihre Erkrankung besonders schwer betroffen sind: z. B. Parkinson-Syndrome, Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. Falls Sie uns aus Ihrer Sicht Anregungen geben möchten, bringen wir diese gerne ein.

 

 

Maßnahmen der Ergotherapie laut Heilmittelkatalog

 

Ergotherapie bedient sich komplexer aktivierender und handlungsorientierter Methoden und Verfahren, unter Einsatz von Übungsmaterial, funktionellem, spielerischen, handwerklichen und gestalterischen Techniken sowie lebenspraktischen Übungen. Sie umfassen auch Beratung zur Schul-, Arbeitsplatz, Wohnraum- und Umfeldanpassung. Es werden vier ergotherapeutische Heilmittel unterschieden, die Ärzte laut Heilmittelkatalog verschreiben können:

 

1. Motorisch-funktionelle Behandlung »

2. Sensomotorisch-perzeptive Behandlung »

3. Hirnleistungstraining »

4. Psychisch-funktionelle Behandlung »

 

Zusätzlich:

  • Hausbesuch, auch in Heimen
  • Integration im häuslichen oder beruflichen Umfeld
  • Behandlung in der Gruppe
  • Thermische Behandlung

Auf Wunsch schicken wir Ihnen auch gerne ein Faltblatt zu – herausgegeben vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE), das einen Auszug aus dem Heilmittelkatalog mit allen Indikationsschlüsseln und den Kontingenten des Regelfalls enthält.

 

 

Dokumentation

 

Nach der ausführlichen ergotherapeutischen Befunderhebung werden die Behandlungsverläufe selbstverständlich sorgfältig dokumentiert. Sie erhalten turnusmäßig Berichte von den jeweiligen Bezugstherapeutinnen.

Bei Bedarf können Sie aber auch jederzeit telefonisch nachfragen oder gezielt eine ergotherapeutische Stellungnahme anfordern.

 

 

Finanzierung

 

Krankenkassen:

Die ergotherapeutischen Behandlungen, die von Ihnen als niedergelassenem/r Arzt/Ärztin verordnet wurden, finanziert üblicherweise die gesetzliche oder private Krankenversicherung des Patienten. Zu Beginn der Behandlung des so genannten Regelfalls ist kein Einholen einer Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung nötig. Bei entsprechender Indikation kann der Regelfall problemlos überschritten werden, wenn Sie diese Überschreitung auf dem Rezeptformular in der dafür vorgesehenen Spalte kurz begründen. Besteht die jeweilige Krankenkasse dann auf ihrem Recht, die Kostenübernahme gesondert zu genehmigen, unterstützen wir unsere PatientInnen darin, indem wir die Rezepte zur Genehmigung einreichen.

 

Berufsgenossenschaft:

Handelt es sich um eine Schädigung, die in der Ausübung des Berufes entstanden ist, übernimmt die zuständige Berufsgenossenschaft die Kosten.

 

Selbstzahler:

Ergotherapeutische Leistungen können aber auch an Selbstzahler abgegeben werden. Hierfür sollten die speziellen Angebote erfragt werden.

 

 

1. Motorisch-funktionelle Behandlung

 

Maßnahmen zum/zur: 

  • Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster
  • Aufbau und Erhalt physiologischer Funktionen
  • Entwicklung oder Verbesserung der Grob- und Feinmotorik
  • Entwicklung oder Verbesserung der Koordination von Bewegungsabläufen und der funktionalen Ausdauer
  • Verbesserung von Gelenkfunktionen, einschließlich Gelenkschutz 
  • Vermeidung der Entstehung von Kontrakturen
  • Narbenabhärtung
  • Desensibilisierung bzw. Sensibilisierung einzelner Sinnesfunktionen
  • Schmerzlinderung
  • Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen

 

 

2. Sensomotorisch-perzeptive Behandlung

 

Maßnahmen zum/zur:

  • Desensibilisierung oder Sensibilisierung einzelner Sinnesfunktionen
  • Koordination, Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen 
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung
  • Hemmung und Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster und Bahnung normaler Bewegungen
  • Stabilisierung sensomotorischer und perzeptiver Funktionen einschließlich Verbesserung der Gleichgewichtsfunktion 
  • Kompensation eingeschränkter praktischer Möglichkeiten durch Verbesserung der kognitiven Funktionen, Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Entwicklung und Verbesserung im situationsgerechten Verhalten und der zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Erlangen der Grundarbeitsfähigkeiten
  • Verbesserung der Mund- und Essmotorik
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen

 

 

3. Hirnleistungstraining

 

Maßnahmen zur:

  • Verbesserung und Erhalt kognitiver Funktionen wie Konzentration, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis sowie Handlungsplanung und Problemlösung
  • Erlangen der Grundarbeitsfähigkeiten
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen
  • Erarbeiten von kompensatorischen Möglichkeiten

 

 

4. Psychisch-funktionelle Behandlung

 

Maßnahmen zur:

  • Verbesserung und Stabilisierung der psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbstständigkeit in der Tagesstrukturierung 
  • Verbesserung eingeschränkter körperlicher Funktionen wie Grob- und Feinmotorik, Koordination und Körperwahrnehmung
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung 
  • Verbesserung der Realitätsbezogenheit, der Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens, auch der sozioemotionalen Kompetenz und Interaktionsfähigkeit 
  • Verbesserung der kognitiven Funktionen, der psychischen Stabilisierung und des Selbstvertrauens 
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung und der Grundarbeitsfähigkeiten